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Mentor Geschichten Teil 5

Das erste Mal, dass mein Mentee „Lord Tirion“ traf, nahm er einen Stock in die Hand und scheuchte ihn weg. Der kleine Hund nahm das als eine Einladung zum Spielen. Mein Mentee war so ängstlich, dass er sich hinter einem Baum versteckte. Sofort realisierte ich, dass mein Mentee nur eine Art Hund kannte – die Art Hund, die Leute als Wachhund halten und die Einbrecher attackieren. Ich sagte zu meinem Hund „Sitz“, rief meinen Mentee und gab ihm ein Leckerchen in seine Hand. „Was, wenn er mich beißt?“ fragte er mich. „Was, wenn er Dich mag?“ antwortete ich. „Lass ihn erst an Deiner Hand schnüffeln.“ sagte ich.

Einige Monate später arrangierte mein Mentee einen Sporttag für alle Jugendlichen in seinem Heim. Er bat mich ausdrücklich Lord Tirion mitzubringen. Er ging mit ihm auf ein Feld und sprach seine Willkommensrede. Später führte er ihn herum so dass alle Jugendlichen ihn streicheln und mit ihm spielen konnten. Auch sie waren zunächst ängstlich, aber schon bald spazierten sie mit ihm und achteten darauf, dass er genug zu trinken hatte.

Mentor Geschichten Teil 4

„Mentor,“ stotterte mein Mentee; er war anders als sonst. „Ich habe Mist gebaut und ich habe Angst, wenn ich das jemandem erzähle, bekomme ich großen Ärger.“ Ich konnte sehen, dass er echt beängstigt war. Ich ermutigte ihm mir zu vertrauen und versprach ihm, ihn nicht zu verurteilen. Sein ganzer Körper sank ein und er vertraute sich mir an. Nachdem er einige Tage darüber nachgedacht hatte, traf er die Entscheidung reinen Tisch zu machen und es seiner Mutter zu erzählen. Seine Mutter fluchte am Telefon für ungefähr 20 Minuten. Sie benutzte Wörter, die ich weder aussprechen noch wiederholen möchte. Anfangs war sie enttäuscht, aber sie würdigte, dass er seinen Mann stand.

Erinnern Sie sich an eine ähnliche Situation? Das erste Mal, als Sie ihren Eltern oder ihrem Chef erzählten mussten, dass Sie Mist gebaut haben? Sich vergraben zu wollen und nie wieder herauskommen?

Mentor Geschichten Teil 3

Mein Mentee ist scheu. In einem Raum mit jungen Menschen wie er, geht seine Stimme unter. Tatsächlich trägt er nichts zu der Konversation bei. Er sagt, dass er es lieber mag, wenn die anderen Jugendlichen die Führung übernehmen – sie wüssten mehr als er. Während eines Schachspiels kommt er aus seinem Schneckenhaus. Sein Springer bringt meine Dame in Bedrängnis, gerade als ich meinen Läufer opfere, um seinen König zu locken. Schachmatt. Es ist bereits das dritte Mal, dass er mich schlägt seit wir vor ein paar Wochen mit dem Spielen angefangen haben. Freudig erregt klatschen wir uns ab. Er macht einen kurzen Sprint um seinen Stuhl und einen kleinen Tanz. Der Sieg bringt Glanz in seine Augen. In jedem Spiel benutzt er eine andere Strategie um meine Spielfiguren so zu manövrieren, dass ich kapitulieren muss. Er versteht es. Es gibt mehr als einen Weg um sein Ziel zu erreichen.

Mentor Geschichten Teil 2

„Also, was kochst Du am liebsten?“ frage ich meinen Mentee. „Rühreier!“ antwortet er. „Ich kann nichts anderes kochen.“ „Und was isst Du gerne?“ frage ich. „Spaghetti, Würstchen, Tomaten, Mais…“. „Das ist viel!“ unterbreche ich ihn. Wenige Tage später besuchen wir die Biscuit Mill und sehen uns all die verschiedenen Nahrungsmittel-Gruppen an und machen anschließend eine Tour durch die Lebensmittelabteilung. Fassungslos stellt mein Mentee fest, dass es hunderte von verschiedenen Lebensmittel aus aller Welt gibt. Jeder Stand hat seinen eigenen Stil des Kochens. Jeder Geschmack köstlicher als der andere. Die Leute in der Biscuit Mill sind begeistert, dass mein Mentee Interesse für ihre Küche zeigt und so bieten sie ihm Geschmacksproben zum Verlieben an. Später an diesem Tag kochen wir Gemüse von dem Markt und er versichert mir, dass er sich selbst das Kochen aus seiner eigenen Kultur beibringen wird.

Mentor Geschichten Teil 1

In den nächsten Wochen werden wir Geschichten von SAYes Mentoren posten, die Sivu Nobongoza, Transition Specialist bei SAYes und SAYes Mentor, aufgeschrieben hat. Auch die Bilder sind von ihm. Hier ist die erste Geschichte:

 

Mein Mentee wollte besser lesen können. Er ist legasthenisch und mag es nicht, wenn er die Werbung auf Plakatwänden nicht versteht. Ich habe versucht, ihm das Lesen von Romanen und Kurzgeschichten schmackhaft zu machen, was es für uns beide schwierig gemacht hat. Dann habe ich ihm Comicbücher gegeben und sofort war sein Interesse geweckt. Zuerst Atom Man und Captain Marvel, dann Archie und Jughead, Asterix und Obelix. Am Ende des Jahres las er bereits sehr flüssig die Sunday Times.

Friends of SAYes Germany in Kapstadt

Im März waren drei Mitglieder von Friends of SAYes Germany (Gabi Dahm, Vanessa Dahm und Sabine Schmidt) in Kapstadt. Geplant war, dass sie sich mit den Angestellten und ehemaligen Schützlingen von SAYes treffen. Aufgrund des Corona Virus‘ war das jedoch nicht möglich. Aber glücklicherweise nahm sich Michelle Potter, Leiterin und Gründerin von SAYes, die Zeit zu einem Treffen, um über SAYes zu sprechen. Insbesondere erörterte sie die besonderen Herausforderungen in Zeiten, in denen SAYes‘ Angestellte nur von zu Hause aus arbeiten dürfen. SAYes entwickelt gerade neue Wege, wir sie die Jugendlichen ohne ein persönliches Treffen mit deren Mentoren helfen kann. Neue Herausforderungen bringen auch neue Möglichkeiten und Friends of SAYes Germany wird SAYes weiterhin, besonders in diesen schwierigen Zeiten, unterstützen.