Bericht eines SAYes-Mentors

Ich wohne seit etwa 10 Monaten in Kapstadt und habe über eine Bekannte das erste Mal von SAYes gehört. Ich wollte schon länger einen kleinen Beitrag gegen die große Ungleichheit in Südafrika tun und habe mich deshalb zu einer der unverbindlichen Infoveranstaltungen angemeldet. Ich habe direkt gemerkt, dass SAYes auffallend professionell organisiert ist. Selbst für die Teilnahme an der Infoveranstaltung habe ich eine Terminbestätigung und -erinnerung erhalten. Die Veranstaltung selber hat mich dann überzeugt und ich habe mich zum kostenlosen Training für drei Abende angemeldet. Zuvor musste ich noch den Interviewprozess und den Onlinefragebogen ausfüllen, das erschien mir allerdings auch sehr sinnvoll und war kein großer Aufwand.

 

Nach Abschluss des Trainings gab es dann den spannenden Matching Prozess. Und dann saß ich auf einmal neben meinem Mentee. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, er ist ein sehr offener Charakter und er hat mir direkt von seinen Interessen erzählt. Er wohnt mit seinen zwei Geschwistern in einem Heim in Kapstadt. Er hat einen fantastischen Blick auf den Tafelberg und ich versuche ihm oft zu erklären, dass viele Menschen in Deutschland lange sparen und lange fliegen, um einmal im Leben den Tafelberg zu sehen. Die ersten Treffen finden grundsätzlich in der Unterkunft der Jugendlichen statt. Es geht erstmal darum sich kennen zu lernen und etwas Grundvertrauen aufzubauen. Ich habe dann allerdings direkt die erste Möglichkeit genutzt um mit meinem Mentee ein paar kleine Touren durch Kapstadt zu machen. Es ist wahrlich nicht schwer hier ein paar schöne Gegenden abzulaufen und wir haben uns viel unterhalten. Er war vor allem an meinen Reisen interessiert. Ich hab versucht Schritt für Schritt heraus zu kitzeln, was er für Wünsche, Ideen und Interessen hat. Gleichzeitig geht es in den ersten Wochen auch darum Themen zu identifizieren, an denen man zusammen arbeitet. Bei meinem Mentee war relativ schnell klar, dass er einen Nebenjob haben will und wir haben inzwischen seinen ersten Lebenslauf erstellt, er hat seinen ersten Ausweis und sein erstes eigenes Bankkonto. Darüber hinaus möchte er an seiner Höhenangst arbeiten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir versuchen eine Mischung aus Arbeit an konkreten Themen und kleinen Touren mit lockeren Gesprächen zu finden, das klappt bisher sehr gut. Wir stehen auch zwischendurch per WhatsApp in Kontakt. Ich hatte am Anfang überlegt, ob ich die 1-2 Stunden in jeder Woche schaffe freizuschaufeln. Inzwischen sind die Treffen mit ihm Normalität, manchmal treffen wir uns sogar zweimal in der Woche und ich freue mich auf jedes Treffen.

 

Kapstadt, 12. Juni 2019